Reisen

Donnerstag, 20. September 07

Von Zaubergärten und verschwundenen Radfahrern

Der Herbst lässt unweigerlich Einiges in anderem, besserem Licht erscheinen.

Ein Altweibersommer lässt nochmals schöne Dinge Revue passieren, weckt also Erinnerungen, die, aufgrund der verstrichenen Tage, Wochen oder Jahre vielleicht etwas geschönt sind. Trotzdem, in diesem Falle lassen wir uns gerne erneut verführen.

So erging es uns mit dem Parco Scherrer in Morcote. Vor beinahe zwanzig Jahren war ich mit meiner Grossmutter in diesem Zaubergarten und immer wieder faszinierten mich die Erinnerungen daran. Vor etwa 10 Jahren war ich einer Geschäftreise wegen im Juli in Morcote und wollte ganz alleine diesen Park besuchen, wurde aber abgeschreckt durch übervolle Reisecars, kurzbehoste Amerikanerinnen und gamsbartbewehrte Filzhutträger, fotogeile Japaner und übelgelaunte Schweizerpaare – kurzum, ich liess erschreckt von meinem Vorhaben ab.

René kannte den Parco Scherrer nicht und da inzwischen die Nachsaison begonnen hat, beschlossen wir, ganz gemütlich Richtung Morcote aufzubrechen.

Gegen Mittag konnten wir auf einem kleinen Parkplatz sogar eine Parklücke ausmachen und erstanden anschliessend zwei Eintritte für den stolzen Preis von je Fr. 9.-. Alles im grünen Bereich, denn wir wollen ja einen aufwändig zu erhaltenden Park besichtigen…

 

Arthur Scherrer, ein Tuchfabrikant und –händler hat sich hier ein Traum verwirklicht: Aus einem mit Unkraut und Kastanienbäumen überwachsenen steilen Grundstück am See zauberte er unermüdlich ein kleines Paradies, bis zu seinem Tode 1956.

Ein wunderschöner Spaziergang durch exotische Pflanzen, die hier im fast subtropischen Klima prima gedeihen. Realisierte Träume von griechischen Tempeln, siamesischen Teehäusern in Bambushainen, arabischen Häusern, römischen Terrassen bis hinunter zum indischen Palast. Auch wenn sich nun mancher fragt, ob das nicht an Kitsch grenze – nein, tut es nicht, wenn ich weiss, dass Herr Scherrer dies in den Jahren 1930 – 56 geschaffen hat und sich sehr genau an originale Vorlagen gehalten hat. So beispielsweise der ägyptische Tempel mit der Nofretete, die originalgetreue Nachbildung von Berlin!

Auch René hat’s gepackt und wir geniessen unser Picknick auf einem der unzähligen Bänkchen, die es ebenfalls zu entdecken gibt. Die Ruhe geniessen wir einmal mehr und unser Blick schweift auf das gegenüberliegende Porto Ceresio. Sogar die Zöllner machen grad Siesta auf dem Boot.

Porto_ceresio_3 Die Aussicht vom griechischen Tempel Richtung Porto Ceresio

Teehaus2  Vor dem Siamesischen Teehaus

Es gibt viel zu entdecken:

Von der Libelle (ehrlich, ich habe nur ca 37 mal probiert, sie mit der Fotokamera einzufangen...)
über versteckte Quellen bis hin zur Glücksschildkröte:

Libelle2  Glcksschildkrte

 

Allein eines betrübt mich:

Obschon ich manchmal einen Hang zum Perfektionismus habe, finde ich, dass im Garten ein „Mut zur Lücke“ unbedingt hingehört. Allerdings stelle ich mir hier die Frage, ob die Gemeinde Morcote nicht etwas sehr lasch mit dem nun doch eintreffenden Geldsegen umgeht. Eine liebende Hand, ein geübtes Auge und viele Dinge wirkten nicht ganz so vernachlässigt wie jetzt. Vielleicht ist mir das vor zwanzig Jahren nicht aufgefallen, aber einiges ist doch offensichtlich…

Genug der trüben Gedanken – auf zum wohlverdienten Kaffee!

 

Als ich vor eben 10 Jahren hier weilte, lud uns der Gemeindepräsident zu einem Nachtessen im Grotto der Alpe Vicania über Vico Morcote ein.

Damals gehörte das Grotto Giovanni Albisetti, der die Alpe nach einer sehr erfolgreichen Radrennfahrerkarriere Mitte der 70-er zu einem Alpgasthof umfunktionierte. Coniglio mit Polenta, Tagliatelle allo Zafferano oder je nach Saison gefüllte Tortelloni, und und und – für alles war Giovanni selber zuständig. Die Gaststube wirkte vielleicht auf den ersten Blick etwas kitschig, aber trotzdem störten die Maiskolben, der Kupferkessel und die karierten Tischdecken nicht, frau fühlte sich einfach wohl und das Essen stimmte. Das Grotto ist zu Fuss in ca 30 Min. ab Vico Morcote erreichbar und auch für mutige Autofahrer gibt es einen kurvenreichen Weg nach oben.

René und ich geniessen es, auf diese Waldlichtung zu kommen, erklimmen die letzten Meter zum Grotto und – ich staune:
Sehr edel, trotzdem rustikal, sehr gepflegt und ziemlich modern – das Grotto wurde renoviert und ist ein Ristorante geworden.
Giovanni ist verschwunden! Und niemand kann uns verraten, was aus ihm und seiner Frau geworden ist.

Alpe_vicania

Eine sympatische Crew jedoch heisst uns herzlich willkommen und wir geniessen eine perfekte "Torta d'albicocche" zum Kaffee.

Der Blick ins Innere des Grottos bestätigt den äusseren Eindruck - und die Stimmen rundherum bestätigen auch, dass hier nach wie vor beste Küche geboten wird. Alle schauen auch auf die Details und inzwischen ist die Alpe sogar für Hochzeitsfeiern und gediegene Geschäftsessen ein beliebtes Ziel.

Wir kommen bestimmt wieder, um die vielversprechenden Gerichte auf der Karte auszuprobieren und in der Hoffnung, Giovannis Geist bleibt hier oben erhalten.

Ristorante Alpe Vicania
6911 Vico Morcote
091 980 24 14

 

PS. Übrigens lässt die Weinkarte keine Wünsche offen - auch Tessiner Geheimtipps sind dabei!

Sonntag, 16. September 07

Endlich Ferien!

Wir haben es geschafft und sind endlich für 8 Tage weg vom Fenster:

Adieu Putzfrauen und Wellrohre - Ticino, siamo pronti per tutto!

Petra und Helmut haben uns grosszügigerweise ermöglicht, ihr wunderschönes Ferienhaus in Ascona benutzen zu dürfen. Und wir geniessen es in vollen Zügen.
Erst mal werden Uhren und Wecker in die Verbannung geschickt und dann wird erst mal viel geschlafen.

Nach nur einem Tag Regen fängt eine wunderschöne Altweibersommer-Woche an und uns geht es einfach grandios. Nun werden wir also viel zu berichten haben von kulinarischen Entdeckungen (Tipps sind vorhanden), Einkäufen und Exkursionen...

Aber vorerst geniessen wir wunderschöne Morgen und einmalige Abende:

Morgendmmerung  Abenddmmerung

Dienstag, 17. Juli 07

Entdeckt....

... aber nicht gekostet!

Schneeballen

In einer bayrischen Autobahnraststätte - es gäbe die Dinger gefüllt und ungefüllt und heissen tun sie - na, wie schon?
Natürlich, der Jahreszeit angepasst "Schneeballen".

Die Verkostung erfolgt zu einem anderen Zeitpunkt  - uiiiiiiih sooooo viele WW-Points ;-))
Oder kennt jemand ein gutes Rezept?

Freitag, 12. Mai 06

Der doppelte Philippe!

Der Etang de Thau ist mit rund 7'500 Hektaren eine der grössten Lagunen des Languedoc. Er ist durch zwei Kanäle, einer davon ist der Canal du Midi, mit dem Mittelmeer verbunden. Am nordwestlichen Ende dieses Bassins liegt ein kleiner Hafenort namens Marseillan - von Marseillan Plage am Mittelmeer reden wir besser nicht, der Ableger ist ein Pizza-Crêpes-Frites-Alptraum! Der Hafenort hat sich vom klassischen Fischerhafen zum Handelshafen im 19. Jahrhundert gewandelt und ist heute noch für viele Besucher des Canal du Midi ein wunderschöner Ausgangsort. Rund um Marseillan hat es sogenannte "Gourgs", kleine Feuchtgebiete, Tümpel etc. Und da gibt es die wilden rosa Flamingos zu entddecken! Am schönsten ist Marseillan und seine Umgebung bei einem Spaziergang in der Abendsonne oder der Dämmerung! Vielleicht endet der Spaziergang am Hafen, wo man dann gemütlich draussen sitzt, sich vom Abendwind streicheln lässt, die Stimmung und ein paar Oliven oder ein Pan Bagnat geniesst und - und das Ganze begleitet durch einen Aperitif, in dem ganz bestimmt einen Anteil Noilly Prat zu schmecken ist ...

Noilly Prat
ist nämlich seit 1813 in Marseillan zuhause und wer sich interessiert, kann die Destillerie besuchen und sich durch die alten, wunderschönen Gemäuer und den Eichenfass-Keller führen lassen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Ich trinke meistens in Südfrankreich zum Apéro einen "Americano" - ein Drink, der sich aus Vermouth, Campari, Orange, Zitrone und evtl. etwas Soda zusammensetzt; hier liess ich es mir nicht nehmen und genoss mal einen "DRY AMERICANO" den vergass ich leider vor lauter Stimmung zu fotografieren, deshalb ein "geklautes" Bild:

Americano

========== REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.1

     Titel: Dry Americano
Kategorien: Getränk, Apéro, Cocktail, Fancy
     Menge: 1 Cocktail-Glas

                   Eiswürfel
    200        ml  Campari
    400        ml  Noilly Prat Dry oder Dry Vermouth
    1/2   Scheibe  Orange
    1/2   Scheibe  Zitrone

============================== QUELLE ==============================
                   Noilly Prat - Marseillan
                   -- Erfasst *RK* 11.05.2006 von
                   -- Marie-Isabelle Bill

Eiswürfel ins Glas geben, Campari und den Vermouth beifügen. Dann Orange und Zitrone zugeben und vorsichtig umrühren. Voilà! Wer mag, kann einige Spritzer Soda in's Glas geben.

=====

Und hier noch das Klassiker-Rezept, je nach Geschmack mit mehr oder weniger Vermouth:

========== REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.1

     Titel: Americano
Kategorien: Getränk, Cocktail, Apéro, Fancy
     Menge: 1 Glas

     30        ml  Campari
  30-40        ml  Vermouth, rot
    1/2   Scheibe  Orange
    1/2   Scheibe  Zitrone
                   Mit Soda auffüllen

============================== QUELLE ==============================
                   Cocktails, Cocktails

Glas: mittlerer Tumbler oder Cocktailglas

Zubereitung: im Glas, mit Eiswürfeln leicht umrühren, Zitrusfruchtscheiben leicht knicken und dazugeben

Garnitur: Zitronenscheibe Fancy drink

=====

Entdeckungen

Unser Schiffsbesitzer hatte früher mal einen Segelbootplatz im Hafen und empfahl uns deshalb einen Besuch in diesem Städtchen gleich neben Cap d'Agde. Da wir während unserer Flitterwochen Sète, Bouzigue und deren kulinarische Geheimnisse entdeckt hatten, beschlossen wir, etwas Erinnerungen aufzufrischen und einen Tag am Etang de Thau zu verbringen. Wie gesagt, nach dem Aperitif machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant für das Abendessen - was gar nicht so einfach war:

Wie immer, wenn wir vor oder nach der Saison durch Frankreich reisen, sind die gängigsten Lokale noch oder schon geschlossen. Meistens ist das aber wirklich nicht von Wichtigkeit, denn dies sind in der Regel die klassischen Touristenfallen. Wir spazierten also um den Hafen, bewunderten natürlich n die Brennerei von Noilly Prat und landeten per Zufall in einem kleinen Seitengässchen - und da MUSSTE ich einfach hinein in das Paradies von Philippe und seinen beiden Freunden:

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Eine feine, ganz tolle im Neo-Retro-Stil eingerichtete Epicerie, in der man frisches Kleingebäck und frische Teigwaren erhält. Das Angebot umfasst aber fast alles, was so im Languedoc an Spezialitäten und Weinen erhältlich ist. Im hinteren Teil erreicht man über einen kleinen Hof, der Nachmittags als Freiluft-"Salon de Thé" genutzt wird, in die "Teigwaren-Werkstatt", wie Philippe sie liebevoll nennt. Zwei der drei Freunde sind übrigens schon in den allerbesten Jahren und das macht den Laden grad nochmal so sympatisch!

Ein Schlaraffenland mit kleinen hausgemachten Fondant au chocolat, wunderbaren Teigwaren, dem einmaligen Honig aus der Garrigue, Konfitüren aus den Cevennen, Tee und Wein aus dem Languedoc; Kräutern, Essig und Olivenöl aus dem Hérault, Bonbons aus Pezenas und und und - Verführung pur!

Gut, dass ich keine Kreditkarte dabei hatte !!!

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Ich dachte mir, dass einer der Herren mir sicher ein gutes Restaurant empfehlen könne und fragte mal so gaaaanz scheu und erhielt nach einem ausführlichen, charmanten Gespräch mit Claude einige Adressen in Sète, der Umgebung und in Marseillan selber. Schlussendlich stellte sich heraus, dass die drei Freunde das empfohlene Lokal "Chez Philippe" bis vor drei Jahr selber geführt hatten und sich den Nachfolger seeeehr sorgfältig ausgesucht hatten. Eine Empfehlung aus erster, bester Hand also!
Nun denn, nachdem wir ja dann doch nicht allem widerstehen konnten, - ich schmelze bei dem Gedanken an die Fondant au Chocolat - verliessen wir das Schlaraffenland, gingen um die Ecke und entdeckten auch gleich das kleine gelbe Haus. Für ein Essen im Garten war es an diesem Abend doch noch etwas kühl und deshalb steuerten wir gleich in das beleuchtete Innere dieses gastlichen Hauses.

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Herzlich wurden wir begrüsst - obwohl wir etwas früh dran waren - und sofort mit viel Humor nach unserem Apéro-Wunsch gefragt. Mit den beiden Herren liess es sich wundervoll schäkern und alleine die Präsentation der Speisen war schon ein Erlebnis: Der "Verantwortliche des Saales" wie er sich mit einem Augenzwinkern nannte, schilderte uns in blumig-bunten Worten die einzelnen Speisen und die dazu passenden Weine.

Als Apéritif (ja, es war schon der zweite an diesem Abend...) gab es einen Carthagène. Einen leicht süsslichen Weisswein mit einer zarten Bitternote. Logisch, ein Getränk aus dem Katharer-Land!

Wir bestellten also unser Essen und harrten amüsiert  der Dinge die da kommen sollten - und wie sie kamen!

Die Gewürze spielen in dieser Küche eine wichtige Rolle und wenn sie mit solchem Können eingesetzt werden, dann ist das Lebensfreude pur!

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Zu frischem Baguette gab es für mich einen lauwarmen Muscheleintopf an einer Zitronen-Olivensauce
Und Renés Spargelflan mit frischem grünem Spargel, leicht geräuchertem Haddock und einer Mousse de Verveine (Eisenkrautschaum) werden wir wohl so rasch nicht mehr vergessen! Ganz klar, ich werde in diesem Jahr mal versuchen, mein Eisenkraut nicht nur als Tee einzusetzen.

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Meine Langoustine auf dem Zwiebelgedünsteten im Filoteig mit Salat war wunderbar. Leicht, die Zwiebeln aus süsslich im knackigen Teig und der Salat an einer himmlischen Vinaigrette.
René genoss perfekt gebratene Filet Mignonspiesschen (auf Rosmarinstengel) mit einem Gratin occitan (Auberginen, Lézignac-Zwiebeln und Tomaten mit Kräutern) an einer leicht säuerlich-bitteren Orangensauce.

Renés Sorbet de Gitan (Zigeunersorbet) im Glas war hausgemacht und bestand aus frischen Waldbeeren und einer zweiten Kugel mit Orangen und Thymian. "Hin und weg" meinte René und erfrischend sei diese Zigeunerin auch noch ...

Meine luftig, leichte Frühlingscharlotte mit Erdbeeren an einem Walderdbeer-Coulis liess mich ein wenig träumen von den Zeiten, als ich als Kind bei uns im Wald noch Erdbeeren fand bis zum Umfallen - mit rotgefärbten Mündern kehrten wir dann jeweils nach Hause zurück und liessen alles andere links liegen - und so schmerzte es dann auch nicht, wenn man zur Strafe ohne Abendessen zu Bett musste.

Der Küchenchef Antonio Diaz Felicio hat ein dickes Lob verdient! Und die beiden älteren Herren, die sich so liebe- und humorvoll um uns kümmerten ebenfalls. Als wir zu recht später Stunde das Haus verliessen, gab es keinen freien Tisch mehr - und das ist gut so!

Der Abend war gelungen, romantisch, fröhlich und wir kehrten beschwingt und mit rundem Bäuchlein auf unser Schiff zurück. Als Bettlektüre führte ich mir das bei "Philippe Epices" erstandene Kochbüchlein zu Gemüte. Von Philippe - als er noch das Restaurant führte - und einem Kunstmaler, der öfters mal bei den drei Freunden den Nachmittag verbringt... (Nein nein, ich kaufe eigentlich keine Kochbücher mehr!)

Philippe Epicerie            Tel. 04 67 11 93 07
8 Bd Jean Bertouy
34340 Marseillan

Chez Philippe                 Tel. 04 67 01 70 62
20, rue de Suffren
Port rive gauche              Reservation empfohlen!
34340 Marseillan

Freitag, 05. Mai 06

Vive la France!

Ich gebe es zu, René und ich sind Frankreich etwas verfallen. Seit unseren Flitterwochen, die uns 5 Wochen kreuz und quer durch Frankreich führten, möchten wir immer wieder Neues entdecken. Für unsere heissersehnten FF-Ferien (Fress- und Faulenzer-Ferien) haben wir uns den Canal du Midi ausgesucht. Der Zufall wollte es, das ich auf einer unserer Websites, über die wir ganz tolle B'n'B-Angebote für unsere Flitterwochen gefunden hatten, auf etwas ganz Besonderes stiess:
Nämlich Ferien auf dem Schiff!

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"Naja", werden nun einige unter Euch sagen, "soooo speziell nun ja auch wieder nicht..." - Doch doch, denn wir waren nicht auf einer Pénichette de Plaisance (also einem "Just-for-Fun"-Boot), sondern auf einer umgebauten Péniche, einem Lastschiff, dass früher tatsächlich den Canal du Midi befahren hat. Dieses Schiff wurde von einem Belgischen Ehepaar gekauft und zu einem Wohnboot mit 2 Chambres d'hôtes umgebaut. Die "Alegria" liegt nund seit rund eineinhalb Jahren fest verankert im kleinen Dörfchen Poilhes, wenige Kilometer westlich von Béziers und wird regelmässig von allen Passanten zu Fuss und zu Schiff bestaunt. Die Gastgeber, Herr und Frau van Baden sind wunderbar unkomplizierte, sehr kontaktfreudige und liebenswerte Gastgeber! Der Preis stimmt, das Frühstück auch und wir fühlten uns himmlisch. Wasser beruhigt ja bekanntlich und wir haben schon am zweiten Tag das süsse Nichtstun für uns entdeckt ...  Und es viel uns unendlich schwer, nach nur 8 Tagen wieder Richtung Nordosten zu fahren!
Der Wettergott war uns hold - angenehme 25 - 30 Grad, nur der Wind gehört in dieser Jahreszeit halt dazu - und der Küchengott ebenfalls, denn wir haben ganz tolle Entdeckungen gemacht. Teilweise auf Empfehlung, teilweise tatsächlich einfach auf "Vorbeifahren, anhalten, zurücksetzen, bestaunen, aussteigen - geniessen!" hin. Und so möchte ich hier einige Entdeckungen preisgeben und Euch allen so richtig den Mund wässrig machen!

In Poilhes gibt es ein (einziges) Restaurant am alten Dorfplatz, "Les Platanes", bezeichnenderweise
sagt der Name etwas über die am Canal du Midi allgegenwärtigen - rund 45'000 - Bäume aus und tatsächlich stehen auch unmittelbar vor dem Haus diese schönen Platanen. Das Restaurant wird geführt von Judy und John Turner, einem sympatischen englischen Ehepaar. Die beiden beweisen, dass auch Engländer durchaus feine Küche präsentieren können - ohne gleich Oliver oder Lawson zu heissen zu müssen.

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Fast klassisch französisch - richtig bistromässig - kommen die Speisen daher und das erst noch zu einem sensationell guten Preis. Es besteht jeweils die Auswahl aus 5 Vorspeisen, 5 Hauptspeisen und 5 Desserts. Ein "Tageshit" gibt es jeweils als Supplément zur Auswahl und damit hat es sich. Die 5 Tische sind regelmässig voll besetzt und das ist gut so. Mehr würde der Herr des Hauses in seiner sympatisch- englisch-leicht-schusseligen, aber seehr liebenswerten Art wohl kaum bewältigen. Trotzdem stimmt die Bedienung, die Stimmung und vorallem das Essen!

Als Entrée gab es erst mal

Rucolasalat mit wundervoll knusprigen Tartines, belegt mit Auberginen und Peperoni vom Grill und René genoss den selben Salat mit gebratenen Ziegenkäse.

Als Hauptgang gab es für René feinste Rougetfilets an einer zarten Sauerrahmsauce und ich genoss ein tolles Stück Thunfisch vom Grill an einer Soja-Ingwersauce. Bei beiden gab es frische, knackige nur in Butter gewendete Kefen (Zuckerschoten) und ein gebratenes feines Kartoffel-Knoblauchpüree-Küchlein (und hier war das Kartoffelpüree noch selbstgemacht!)

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Renés Dessert haute uns beide nicht vom Sockel, eine klassische Tarte au Chocolat mit Crème fraiche, dafür war meine "Pavlova anglaise" einfach DER HAMMER!

Ferien_poilhes_056_1 Witzigerweise entsprach das "Ding" nicht einer klassischen Pavlova, aber es war göttlich frisch. Die Baiserkruste war genau richtig gebacken und passte super zur Crème-Fraiche-Füllung und den kräftigen Heidelbeeren. Ich, die sonst kein Dessert-Freak bin, konnte mich nur mit Mühe dazu überwinden, René ein Probiererli abzugeben ...
Mme van Baden hat versprochen, mit Judy Turner zu sprechen und mir das Rezept zu besorgen (mmmh, vielleicht sollte ich sie gleich mal anmailen...?)

Zum Essen tranken wir einen wunderbaren Viognier 2004, St. Martin des Champs der Brüder Pierre & Michel Birot aus Murviel-les-Béziers, einen klassischen "Vin du Pays d'Oc".

Les Platanes                                       geöffnet von Donnerstag - Sonntag
1 Place de la Liberté                                    jeweils Mittags und Abends
F-34310 Poilhes
Tel 04 67 93 38 41                                         Reservation empfohlen und erwünscht

Dienstag, 18. April 06

Ostern - kugelrund, nicht eiförmig

Gleich vorneweg:

Dieser Beitrag wird nur kurze Zeit hier zu lesen sein! Um dann im Archiv unterm April abgelegt zu werden, wir wollen ja halbwegs ordentlich bleiben...  ;-))

"Ach was gibt es doch für liebe Menschen und feine Küchen!", rief mein doch ziemlich verfressener Göttergatte aus, als er erfuhr, dass wir zum Osterbrunch bei Petra von Chili und Ciabatta und ihrer Familie im Tessin eingeladen waren. Wobei wirklich anzumerken sei, dass er nicht nur Petras Kochkünste zu schätzen weiss, sondern ganz einfach immer wieder die schöne Zeit, die wir mit allen Angehörigen der Familie verbringen dürfen. Und da schliesse ich mich vorbehaltlos an!
Was für ein glücklicher Tag:
Staufrei durch den Gotthard - was für ein Glück!
Aus dem feuchten Zugerland ins ein sonniges Tessin - war für ein Glück!
Hausgefärbte Ostereier und Kuchen im Gepäck - war für ein Glück!

Lachende, liebe Gesichter von Freunden - das Glück!

Neu_eingelesen_041

Tja und so genossen wir im wunderschönen Garten unter blühenden Bäumen und sich wiegenden  Palmen unseren ersten Brunch im Freien in diesem Jahr. Petra und Kochfrosch hatten gezaubert.
Weil irgendwelche Eierspeisen doch etwas heikel für eine lange Autofahrt sind, hatte ich mich halt auf harte, gefärbte Eier, Kuchen und Co beschränkt - aber sie machten sich gut auf dem Buffet!

Ostern06

Ok, ich gestehe, dass der Käsekuchen etwas zu dunkel geraten ist. Aber geschmeckt hat er trotzdem. Lustigerweise stimmt ein altes Rezept meiner Familie ziemlich genau mit dem von Lea Linster überein....

========== REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.1

     Titel:     Bettys Käsekuchen
Kategorien: Backen, Kuchen, Süss
     Menge:  12 Stücke

    310     Gramm  Blätterteig und etwas Mehl; ca.
    700     Gramm  Quark (30-40 %)
      1      Pack.     Sahne-Puddingpulver
120-150  Gramm  Zucker
      6                   Eier, getrennt
                           Salz

============================== QUELLE ==============================
                   Adaptiert nach Lea Linster - Leas Kochlust
                   und Louise Bill-Pittet
                   -- Erfasst *RK* 05.06.2005 von
                   -- Marie-Isabelle Bill Schmid

Backofen auf 200 Grad vorheizen.

Eine Springform mit dem Blätterteig auskleiden, den Rand schön
hochziehen.  Den überschüssigen Teig abschneiden.

Mit einem Schneebesen den Quark mit dem Puddingpulver, dem
Zucker und den Eigelben zusammen gut aufschlagen. Zum Schluss
das Eiweiss mit einer Prise Salz zu sehr steifem Schnee schlagen
und vorsichtig unter die Masse heben.

Die Masse auf den Blätterteig geben.

Im Backofen 20 Minuten bei 200 Grad (Umluft 180 Grad, Gas
Stufe 4) backen und dann weitere etwa 35 Minuten bei 175 Grad
(Umluft 150 Grad, Gas Stufe 2-3).

Den Käsekuchen abkühlen lassen und aus der Form nehmen.

Billi:

Mit Rahmquark wird der Kuchen etwas weniger trocken.

=====

Die Spinat-Karotten-Sbrinz-Ostertorte ist fein pikant und kommt fast überall gut an. Pinienkerne,  Speckwürfelchen und eine Miniportion Chili geben den endgültigen Kick!

Abends gab es dann ein ganz feines Menü! Ich hatte etwas mehr Glück als Petra mit der Helligkeit,und deshalb hier noch nachgereicht - Lammkeule und Capretto mit den Kartöffelchen:

Gitzi_und_co

Und nun das ultimative Blogger-Bild:

Kochfrosch fotografiert "Artischockengemüse mit Favabohnen und Tomaten", gekocht von Chili und Ciabatta und wird dabei fotografiert von Kräutersturm. Der Herr daneben lässt sich gerne als Opfer für Küchenexperimente missbrauchen und gehört eigentlich zu mir!!!

Kochfrosch

Ach was waren wir froh, dass vorher noch ein kleines Fitnessprogramm in Form von Ostereiersuche stattgefunden hatte ;-)
Kugelrund, satt, glücklich und mit lieben Gedanken an liebe Freunde machten wir uns auf den Heimweg, staufrei, mit Capretto und Co im Gepäck, aber leider zurück in das schlechte Wetter ...

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