Auswärts Essen

Donnerstag, 20. September 07

Von Zaubergärten und verschwundenen Radfahrern

Der Herbst lässt unweigerlich Einiges in anderem, besserem Licht erscheinen.

Ein Altweibersommer lässt nochmals schöne Dinge Revue passieren, weckt also Erinnerungen, die, aufgrund der verstrichenen Tage, Wochen oder Jahre vielleicht etwas geschönt sind. Trotzdem, in diesem Falle lassen wir uns gerne erneut verführen.

So erging es uns mit dem Parco Scherrer in Morcote. Vor beinahe zwanzig Jahren war ich mit meiner Grossmutter in diesem Zaubergarten und immer wieder faszinierten mich die Erinnerungen daran. Vor etwa 10 Jahren war ich einer Geschäftreise wegen im Juli in Morcote und wollte ganz alleine diesen Park besuchen, wurde aber abgeschreckt durch übervolle Reisecars, kurzbehoste Amerikanerinnen und gamsbartbewehrte Filzhutträger, fotogeile Japaner und übelgelaunte Schweizerpaare – kurzum, ich liess erschreckt von meinem Vorhaben ab.

René kannte den Parco Scherrer nicht und da inzwischen die Nachsaison begonnen hat, beschlossen wir, ganz gemütlich Richtung Morcote aufzubrechen.

Gegen Mittag konnten wir auf einem kleinen Parkplatz sogar eine Parklücke ausmachen und erstanden anschliessend zwei Eintritte für den stolzen Preis von je Fr. 9.-. Alles im grünen Bereich, denn wir wollen ja einen aufwändig zu erhaltenden Park besichtigen…

 

Arthur Scherrer, ein Tuchfabrikant und –händler hat sich hier ein Traum verwirklicht: Aus einem mit Unkraut und Kastanienbäumen überwachsenen steilen Grundstück am See zauberte er unermüdlich ein kleines Paradies, bis zu seinem Tode 1956.

Ein wunderschöner Spaziergang durch exotische Pflanzen, die hier im fast subtropischen Klima prima gedeihen. Realisierte Träume von griechischen Tempeln, siamesischen Teehäusern in Bambushainen, arabischen Häusern, römischen Terrassen bis hinunter zum indischen Palast. Auch wenn sich nun mancher fragt, ob das nicht an Kitsch grenze – nein, tut es nicht, wenn ich weiss, dass Herr Scherrer dies in den Jahren 1930 – 56 geschaffen hat und sich sehr genau an originale Vorlagen gehalten hat. So beispielsweise der ägyptische Tempel mit der Nofretete, die originalgetreue Nachbildung von Berlin!

Auch René hat’s gepackt und wir geniessen unser Picknick auf einem der unzähligen Bänkchen, die es ebenfalls zu entdecken gibt. Die Ruhe geniessen wir einmal mehr und unser Blick schweift auf das gegenüberliegende Porto Ceresio. Sogar die Zöllner machen grad Siesta auf dem Boot.

Porto_ceresio_3 Die Aussicht vom griechischen Tempel Richtung Porto Ceresio

Teehaus2  Vor dem Siamesischen Teehaus

Es gibt viel zu entdecken:

Von der Libelle (ehrlich, ich habe nur ca 37 mal probiert, sie mit der Fotokamera einzufangen...)
über versteckte Quellen bis hin zur Glücksschildkröte:

Libelle2  Glcksschildkrte

 

Allein eines betrübt mich:

Obschon ich manchmal einen Hang zum Perfektionismus habe, finde ich, dass im Garten ein „Mut zur Lücke“ unbedingt hingehört. Allerdings stelle ich mir hier die Frage, ob die Gemeinde Morcote nicht etwas sehr lasch mit dem nun doch eintreffenden Geldsegen umgeht. Eine liebende Hand, ein geübtes Auge und viele Dinge wirkten nicht ganz so vernachlässigt wie jetzt. Vielleicht ist mir das vor zwanzig Jahren nicht aufgefallen, aber einiges ist doch offensichtlich…

Genug der trüben Gedanken – auf zum wohlverdienten Kaffee!

 

Als ich vor eben 10 Jahren hier weilte, lud uns der Gemeindepräsident zu einem Nachtessen im Grotto der Alpe Vicania über Vico Morcote ein.

Damals gehörte das Grotto Giovanni Albisetti, der die Alpe nach einer sehr erfolgreichen Radrennfahrerkarriere Mitte der 70-er zu einem Alpgasthof umfunktionierte. Coniglio mit Polenta, Tagliatelle allo Zafferano oder je nach Saison gefüllte Tortelloni, und und und – für alles war Giovanni selber zuständig. Die Gaststube wirkte vielleicht auf den ersten Blick etwas kitschig, aber trotzdem störten die Maiskolben, der Kupferkessel und die karierten Tischdecken nicht, frau fühlte sich einfach wohl und das Essen stimmte. Das Grotto ist zu Fuss in ca 30 Min. ab Vico Morcote erreichbar und auch für mutige Autofahrer gibt es einen kurvenreichen Weg nach oben.

René und ich geniessen es, auf diese Waldlichtung zu kommen, erklimmen die letzten Meter zum Grotto und – ich staune:
Sehr edel, trotzdem rustikal, sehr gepflegt und ziemlich modern – das Grotto wurde renoviert und ist ein Ristorante geworden.
Giovanni ist verschwunden! Und niemand kann uns verraten, was aus ihm und seiner Frau geworden ist.

Alpe_vicania

Eine sympatische Crew jedoch heisst uns herzlich willkommen und wir geniessen eine perfekte "Torta d'albicocche" zum Kaffee.

Der Blick ins Innere des Grottos bestätigt den äusseren Eindruck - und die Stimmen rundherum bestätigen auch, dass hier nach wie vor beste Küche geboten wird. Alle schauen auch auf die Details und inzwischen ist die Alpe sogar für Hochzeitsfeiern und gediegene Geschäftsessen ein beliebtes Ziel.

Wir kommen bestimmt wieder, um die vielversprechenden Gerichte auf der Karte auszuprobieren und in der Hoffnung, Giovannis Geist bleibt hier oben erhalten.

Ristorante Alpe Vicania
6911 Vico Morcote
091 980 24 14

 

PS. Übrigens lässt die Weinkarte keine Wünsche offen - auch Tessiner Geheimtipps sind dabei!

Mittwoch, 20. Dezember 06

Von Geistern, Söldnern und Gabeln

Da René und ich beide beruflich sehr engagiert sind, haben wir uns vorgenommen, dass mindestens ein Wochenende pro Monat zwingend nur für uns ganz alleine reserviert bleibt. Ab und zu überraschen wir uns gegenseitig mit einem Essen, Ausflug, etc. So bleibt es spannend...
René hat mich im November auf ein Schiff der Zugerseeschifffahrt geladen, auf dem es im "Unterdeck" zu einer Aufführung von Kishons tierisch-menschlicher Satire  "Schwarz auf Weiss" in zwei Akten kam. Hervorragend inszeniert und für ein Laientheater sehr gut gespielt. Es war ein Erlebnis!
Kulinarisch hingegen waren wir etwas enttäuscht, sind wir doch normalerweise von der Zugerseegastronomie recht gut versorgt. Aber da gab es ein Buffet von eher mässigen Salaten mit etwas heissem Schinken und anschliessend eine Käseplatte und etwas Eis. Aber, um darauf zurückzukommen, es ging dabei um's Theater!

Nun hatte mich Renés Überraschung (der jeweilige Partner wird bei solchen Anlässen nur lange im voraus mit ziemlich unvollständigen Informationen regelrecht hingehalten...) ziemlich überwältigt und der natürliche Ehrgeiz, ihn zu übertrumpfen setzte sich bei mir durch. Der glückliche Zufall wollte es, dass ich letzten Sommer bei der Organisation einer Hochzeit auf ein Restaurant stiess, das sogenannte "Ess-Spektakel" durchführt und ich in diesen Tagen doch grad eine Einladung erhielt:

"DER STUBLI-GEIST" - Ein Schwyzer Söldner erzählt aus seinem abenteuerlichen Leben

Die braven Eidgenossen waren ja bekannt und begehrt als Reisläufer und Söldner, in ganz Europa.
Die letzte "Söldnertruppe" existiert noch - in Rom - seit 500 Jahren, nämlich die Päpstliche Schweizergarde im Vatikan.

So erzählt also der Stubligeist von seinen Abenteuern; drei Mal kehrt er ein, zwischen den einzelnen Gängen eines exquisiten Mahles. Er wirkt leicht zerzaust, sein zerschlissener Wams trägt auch nicht gerade zur Eleganz bei und sein Auftreten ist schon recht landsknechtmässig. Tja, wenn man halt so gern dem geistigen Wasser zuspricht...

René und ich haben Glück, wir sitzen unmittelbar vor dem antiken Kachelofen, bei dem sich der Geist jeweils wärmt und seine Geschichten erzählt. Eine handelt sogar davon, dass der "Schön Johäni" - der schöne Johannes - jeweils auf Renés Stuhl sitzt und sich ins Elend trinkt, keiner wolle an solchen Tagen auf diesen Stuhl sitzen! Was habe ich doch für einen mutigen Mann ;-))
Uebrigens, der "Schön Johäni" hat nur noch ein Ohr, ein Auge und hinkt, aber die Völkerschlacht hat er überlebt!

Stubligeist1    Stubligeist2

Viel zu erzählen hat der Stubli-Geist, von seinem Liebchen, das nach Spanien "verkauft" worden ist; von der Beulenpest und dem Schwyzer Dorfbrand; von den hohen Herren; vom gesegneten Einsiedler-Wasser, das schlicht gegen und für alles hilft und von den Saufeskapaden in den Diensten der Savoyer. Eigentlich könnte man ihm noch lange zuhören, aber eben, das Menü hat ein Ende und plötzlich ist es wieder das "hochheiligi Johr anno Domini 2006, gopferteckel!" um mit des Geistes Worten zu sprechen. Der uns übrigens ganz am Anfang gefragt hat, ob wir nichts besseres zu tun hätten, als hier in der Wirtschaft rumzusitzen!

Zwischen den Geistes-Erscheinungen zaubert Küchenchef Hanspeter Hurter passende Köstlichkeiten auf unsere Teller:

Das Menü setzt sich zusammen aus
- Französischer Hofstaat-Lammterrine
- Schaumsüppchen vom Einsiedler Klosterwürzwein
- Saurem Rindmocken mit Gummel-Stungis
und einem Schwyzer-Garde Schoggi-Turm.

Alles schmeckt wunderbar, fein und abgerundet!

Auch am Tisch gilt übrigens das Regime des 17./18. Jahrunderts: Es gibt eine klare Tischordnung und klar ist auch, wie zu essen ist: nämlich mit der zweizinkigen Gabel!

Fürwahr, ein Ess-Spektakel erster Klasse!

Donnerstag, 26. Oktober 06

Un castrato!

Seit mehreren Jahren (!) stand auf meiner Ausgeh-Liste ein Restaurant, das nur 10 Autominuten von Zug weg ist. Wunderschön gelegen am Zugerberg, in einem wundervollen alten, klassischen Zuger Bauernhaus ist das Restaurant Blasenberg.
Blasenberg
Die Familie Limacher, nun in der zweiten Generation, hat ein gemütliches Bergrestaurant. Einfach aber gemütlich ausgestattet, eine hübsche Terrasse mit einer sensationellen Aussicht über den Zugersee, hinter dem Haus lockt der Zugerberg - was will man mehr?

Natürlich will man mehr! Nämlich den Kapaun!
Sogar bis nach China tönt der Ruf der kastrierten Hähnchen. Da liegt doch das Gute so nah...
Und genau deshalb beschloss ich zusammen mit einer lieben Freundin, unsere holden Göttergatten mit einem Sonntagsessen zu überraschen. Flugs für den Sonntag noch den letzten Tisch reserviert und ganz gespannt das Wochenende abwarten. In der Zwischenzeit macht die kluge Hexe sich natürlich schlau und will erfahren, was es mit dem Kapaun eigentlich auf sich hat.
Das Wetter war einfach nur "Goldener Herbst" und die Terrasse lockte zum Apéritif im Freien.
Ganz hungrig setzten wir uns etwas später zu Tisch, genossen einen einfachen, aber sehr feinen grünen Salat und warteten bei einem Glas Süssmost, probierten den Fassmost und genossen das "ghürotnige" (Süssmost und Fassmost gemischt).
Und dann wurde er aufgetragen:
Kapaun
Eigentlich sah er ganz unscheinbar aus - nach 3 Stunden im Ofen.
Aber unscheinbar schmeckte er gar nicht, nein, ein feines, ja fast crèmiges Fleisch, das buchstäblich vom Knochen fiel, zerging auf der Zunge. Der Geschmack war sehr fein und jede Sauce dazu wäre zuviel gewesen. Dazu reichte Frau Limacher uns einen wunderbaren Safranrisotte - natürlich gab es dazu auch noch die gebratene Kapaunleber - und zu Abwechslung nach Wahl ganz feine knusprig heisse Pommes Frites.
Obwohl es Anfangs schien, als würden wir diesem Hähnchen zu viert ohne weiteres den Garaus machen - wir schafften es zwar, aber die Portion war absolut ausreichend berechnet.
Natürlich hielt das keinen von uns vieren davon ab, ein hausgemachtes Dessert zu bestellen. Die frische Ananas wäre sicher toll gewesen. Aber wir beschlossen, so richtig "zuzuschlagen" und so wurden Schweizer Gasthof-Klassiker erwählt wie Meringue und frischer Lebkuchen. Hüftgold, wie gesagt, das logischerweise mit einer feinen alten Zwetschge als Digestif noch besser schmeckte.
Der Lebkuchen war eine Offenbarung! Wunderbar dunkel und feucht lag er auf dem Teller, mit einem Rahmhäubchen und er schmeckte genau so, wie man es sich erträumt. Ich liebe den dunklen, leicht herben Luzerner und Zuger Lebkuchen - im Gegensatz zum klebrig, trockenen, hellen Berner Lebkuchen - und finde, das dem Herbst wirklich etwas fehlen würde ohne dieses Gebäck.
Voller Begeisterung fragte ich Frau Limacher nach dem Rezept und sie verriet mir, dass die Tochter den gebacken hätte - diese müsse entscheiden, ob ich das Rezept erhalte. Zehn Minuten später kam die Tochter, eine sehr junge Frau, und überreichte mir das handgeschriebene Rezept. Genau zu dem Zeitpunkt, als Madlen Limacher uns dann noch verriet, dass sie eben einen "Vielle Prune" hätten, der wirklich alt sei - falls wir noch ein Digestif....? Natürlich - her damit!
Der Alkohol war nicht schuld an der Qualität des Fotos, ich habe einfach ein bisschen geschlampt bei der Einstellung meines Handys. Also bin ich gezwungen, so schnell als möglich den Lebkuchen nachzubacken - alleine schon, um ein neues Foto zu machen.
Zugerlebkuchen Genuss pur - sorry, schon genascht....

Dass wir dieses Essen mit einem ausgiebigen Spaziergang in der Herbstsonne abverdienen mussten, liegt wohl auf der Hand.
Mein Dank geht an die Familie Limacher, die in ihrer einfachen und sympatischen Art die Gäste bewirtet, sich gekonnt auf ihre Stärken in der Küche zurückbesinnt und den Kapaun hochleben lässt.
Danke, ich habe mich in einem Restaurant schon lange nicht mehr so wohl gefühlt!

========== REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.1

         Titel: Lebkuchen Blasenberg
Kategorien: Backen, Herbst, Gewürze, Schweiz
      Menge: 1 Backblech

    500    Gramm  Weissmehl
    500    Gramm  Zucker
     15     Gramm  Backpulver
      3      Essl. Kakaopulver
      3      Essl. Lebkuchengewürz
    500    ml  Milch, zimmerwarm
      3      Essl. Butter, flüssig (oder Sonnenblumenöl)

============================== QUELLE ==============================
                   Fam. Limacher
                   Rest. Blasenberg, Zug
                   -- Erfasst *RK* 26.10.2006 von
                   -- Marie-Isabelle Bill

1 grosses Backblech mit Backpapier auslegen, mit Öl bestreichen
(auch am Rand). Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Alle trockenen Zutaten gut vermischen, dann die Milch unterziehen
und so lange rühren, bis der Teig Blasen wirft.

Den Teig auf dem Backblech verteilen und auf der zweituntersten
Rille 35 Min. backen.

Den noch warmen Kuchen mit flüssiger Butter bepinseln.

Servieren mit frischem sehr steif geschlagenem Rahm.

BILLI:

Schmeckt unvergleichlich gut - er muss noch etwas feucht sein. Tip
von Tochter Limacher: Mit Sonnenblumenöl lässt sich der Lebkuchen
besser bepinseln!

=====

Restaurant Blasenberg                       Unbedingt rechtzeitig reservieren!!!!
Markus u. Madlen Limacher-Gisler
Blasenberg                                          Tel. +41 41 711 05 44
6300 Zug

Öffnungszeiten
Donnerstag - Montag von 9:00 bis 24:00 Uhr
Sonntag von 9:00 bis 21:00 Uhr
Dienstag und Mittwoch geschlossen

Donnerstag, 07. September 06

"Schlüssel" zu einem schönen Abend

Am 4. September vor zwei Jahren haben wir uns auf dem Mont Vully das Ja-Wort gegeben - wie die Zeit vergeht! Und weil René und ich diese Gegend ausserordentlich lieben, haben wir schon den ersten Hochzeitstag da gefeiert; und sofort auch für dieses Jahr reserviert. Am Sonntag gab es ein feines und ausgiebiges Mittagessen im  Hotel de l'Ours in Sugiez. Das Wirte-Ehepaar Catherine Mao und Martin Angst Mao versteht es immer wieder, uns zu begeistern: Herzliche Aufnahme, ungekünstelte Freude, eine wunderbare Küche, perfekter Service, Gemütlichkeit, sehr zufriedenes Personal, Wohlfühlatmosphäre, eine gute frankophon-deutschschweizerische Mischung aus Lebensfreude und Professionalität. Ein bisschen fühlen wir uns da zuhause. Am Sonntag genossen wir ein feines Mittagsmenü, denn wir holten unseren Hochzeitstag mit meinem Vater und seiner Familie nach - die Entdeckung des Tages: Lachstatar in Zitronencrème!
Am Abend genossen wir unser "Hochzeitsnacht-Zimmer" und schliefen friedlich unserem Hochzeitstag entgegen.
Nach einem ausgiebigen, ganz intimen Frühstück unter den Bäumen machten wir eine "Fahrt über Land" durch das Grosse Moos Richtung Neuenburgersee und Neuchâtel. Den See genossen wir bei einem feinen, leichten Mittagessen auf der Brasserie-Terrasse des Hotels le Vaisseau in Petit-Cortaillod:  Felchenfilet an einem grünen Curryschaum mit gebackenen Kartöffelchen und einem Gemüsekörbchen. Das Restaurant empfiehlt sich übrigens auch für ausgiebigere Essen, aber wir wussten ja, dass uns am Abend ein Feinschmecker-Menü erwartete.

Nach etwas faulenzen und dem Kauf von frischen weissen Pfirsichen aus den Weinbergen des Nachbardorfes machten wir uns gaaanz gemütlich auf Richtung Lugnorre, wo Werner & Therese Rätz die Auberge des Clefs führen. Vor zwei Jahren haben sie das Restaurant um eine wunderschöne Terrasse unter Platanen erweitert. Einfach traumhaft. Als ich letzte Woche einen Tisch reservieren wollte, gab es allerdings nur noch einen auf dem "kleinen Balkon" im 1. Stock - was sich aber im Nachhinein als Glücksfall herausstellte: Den der kleine Saal oben grenzt unmittelbar an die offene Küche - im Winter ist man also regelrecht "mitten im Geschehen" - und hier wird nur ein Menü serviert, das jeden Tag neu zusammengestellt wird. Werner Rätz kommt ganz gemütlich an den Tisch, plaudert und fragt nach Vorlieben. Und das Einzige, was man bestimmen darf, ist, ob man vorher schon wissen will, was serviert wird oder ob es ein regelrechtes Menue Surprise sein soll. Perfekt rät auch der Chef selber, welchen Wein man (wohlgemerkt glasweise) dazu geniessen sollte und überlässt einen dann dem Glück... Unsere Bedienung, eine junge Frau hat sich perfekt um uns gekümmert. Natürlich, mit einer schönen Portion Humor, viel Liebe zum Beruf und kompetent - und sie hat doch tatsächlich mit meinem Mann geschäkert! ;-))

Nun gab es also erstes ein Lachscarpaccio mit Jakobs-Agrumen-Tatar, fritierten Schwarzwurzeln und in Grenadine-Sirup confierten Kumquats. Wunderbar frisch, die Agrumen schmeckten leicht heraus und die essbaren Blüten mit dem Kresse ergänzten genau richtig das Carpaccio. Die Sauce war ein Orangen-Mango-Gedicht und ich hätte gleich dabei verweilen wollen.

Carpaccio_clefs     Suppe_clefs

Als zweiter Gang genossen wir eine herrliche Suppe aus spanischen Datteltomaten mit einer Einlage aus Brot und Kaisergranat. Der Hanfschaum, dekoriert mit einer fritierten Hanfblüte rundete das Ganze ab.

Renés Lieblingssuppe (Tomaten aller Art) war genau das Richtige bevor es an die gebratene Foie gras mit Pistazien und Pinien auf Zwetschgen-Eisenkraut-Kompott ging. Ich gestehe - ICH LIEBE FOIE GRAS! Und diese hier war schlicht einmalig, denn das säuerliche Kompott ergänzt auf wunderbare Art und Weise das gebratene Stück Genuss.

Foisgras_clefs      Kalb_clefs

Tja, und als Hauptspeise zauberte Werner Rätz uns dann ein butterzartes Kalbsfilet mit knusprig gebratenem Wachtelbrüstchen auf Rotwein-Risotto mit Ratatouille. Mjamm! Der Risotto war einfach genial - kernig und schmeckte wirklich nach Rotwein (nicht nur sauer) und das Ratatouille ist das feinstgeschnittenste, das ich je erlebt habe - und zudem noch bissfest und sensationell abgeschmeckt mit feinsten Kräutern. Da wäre es des Guten zuviel gewesen, wenn das Fleisch noch sonderlich gewürzt oder mit einer Sauce serviert worden wäre - der eigene Jus reichte vollkommen!

Schon satt, aber immern noch "lüstern" auf mehr - nämlich das Dessert, warteten wir auf dem Balkönchen und vertrieben uns die Zeit mit Beobachtungen durchs Fenster in die Küche ...

Kche_clefs     Dessert_clefs

Und schon war es da, eine leichte, mit Agrumen parfümierte Panna Cotta auf Pfirsichbett mit frischen Beeren. Passend für unseren Abend natürlich auf einem Herzteller serviert ...

Alles hat uns überzeugt - ganz besonders aber den liebevollen und trotzdem unkomplizierten Umgang mit den natürlichen Produkten und besonders auch den mit den Gästen! Das Restaurant hat sich die 16 Gault-Millau-Punkte mehr als nur verdient - und wer jetzt nämlich noch meint, nur mit Kreditkarte da essen zu können (weil so viel Geld herumzuschleppen fahrlässig wäre), der täuscht sich gewaltig. Der Preis stimmt absolut und wenn man dann als Friandise zum Kaffee und der Rechnung das feine Vanille-Mousse mit Passionsfruchtsauce oder ein frisches Joghurt mit Passionsfruchtsauce erhält, dann erschrickt man höchstens freudig und geniesst den Abschluss umso mehr. Und natürlich vergisst man völlig, dieses kleine süsse Etwas zu fotografieren ;-)

========== REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.1

     Titel: Vanille-Mousse mit Passionsfruchtsauce
Kategorien: Desserts, Früchte, Mousse
     Menge: 4-6 Personen

========================== VANILLE-MOUSSE ==========================
    200        ml      Milch
    400        ml      Rahm 35%
      4                   Eigelb
    150     Gramm  Zucker
      1                   Vanillestengel

======================== PASSIONSFRUCHTSAUCE ========================
     12    Stücke  Frische Passionsfrüchte
     75    Gramm Zucker
      1     Stück   Orange (nur Saft)
    100   ml        Wasser

============================== QUELLE ==============================
                   Werner Rätz
                   Auberge des Clefs, Lugnorre
                   -- Erfasst *RK* 07.09.2006 von
                   -- Marie-Isabelle Bill

Für die Vanille-Mousse die Milch und ca. 3 dl Rahm aufkochen,
Vanillestengel beigeben und 5 Minuten ziehen lassen.

Zucker und Eigelb in einer Schüssel gut schaumig rühren und die
heiße Milch-Rahm durch ein Sieb unter ständigem rühren dazugeben.
Die Masse im Kühlschrank unter ständigem rühren erkalten lassen. Im
Tiefkühler anfrieren, dann den restlich Rahm zufügen und einfrieren
lassen.

Passionsfrüchte in der Mitte durchschneiden und mit einem
Kaffeelöffel die Kernen und das Fruchtfleisch herauslösen. In einer
Pfanne den Orangensaft, Zucker und Wasser vermischen. Das ganze ca.
20 Minuten kochen. Die Sauce durch ein Sieb passieren und erkalten
lassen.

*BILLI*

Wir haben das Mousse in einem kitzekleinen Glas serviert bekommen
einfach nur als Friandise zum Kaffee (so reicht die Menge natürlich
extrem weit...)
=====

UNBEDINGT RESERVIEREN!!!!!

AUBERGE DES CLEFS                                        Tel. +41 26 673 31 06
Werner & Therese Rätz
Route de Chenaux 4
CH-1789 Lugnorre

Mittwoch und Donnerstag geschlossen!

Blog powered by TypePad
Mitglied seit 04/2006

Blog Events

  • Swiss National Day - Red, white or Swiss

Lieblings-Links

En famille

Lesefutter

Mein Foto