Dienstag, 26. Februar 08

Raus aus dem Hexenhaus - rauf auf den Berg!

Warum so lange nichts lief?
Weil es halt im Leben nicht immer so läuft, wie frau gerade wünscht. Und manchmal gehört dazu, dass das Hobby nicht nur hinten angestellt wird, sondern geradezu auf Eis gelegt werden muss. So schwer das einen fällt - es musste halt sein.
In der Zwischenzeit ist nicht nur viel geschehen, nein sehr viel!

Anfang November erhielten wir die Kündigung für unser geliebtes Hexenhäuschen - gerade jetzt, wo wir unseren Garten zum wilden Blickfang im Quartier gemacht hatten; gerade jetzt wo wir einige Malerarbeiten vornehmen wollten; gerade jetzt wo ...
Tja, jammern nützte nicht viel, obwohl es uns unsagbar schwer fiel. Aber das Glück war uns hold und innert kurzer Frist haben wir eine für Otto-Normal-Zuger eher sehr unkonventionelle Bleibe gefunden:

Hoch über Walchwil, dem "Nizza der Zentralschweiz", wo Feigen wachsen und die schönsten Sonnenuntergänge der Schweiz zu geniessen sind. Ja, das klingt schon etwas prahlerisch, aber es ist so.

Nur dass ...
- wir auf 930 m ü.M. wohnen und somit die Feigen bei uns vor dem Haus nicht gedeihen; dafür die
  Bergkräuter im Garten mit Blick über Zuger- und Vierwaldstättersee
- der Berggarten noch gar nicht steht; wir haben also noch Grosses vor
- wir vom kleinsten 4-Zimmer-Häuschen in ein über 100-jähriges 8-Zimmer-Bauernhaus gewechselt haben
  und es demzufolge auch im Innern des Hauses noch Einiges zu tun gibt (René hat mich grad davor ge-
  warnt, "basteln" zu schreiben - es heisse "heim- oder handwerken" ;-)
- meine Küche etwa 4 Mal (ja, VIERMAL) so gross ist wie die alte, dafür ist sie noch kläglich leer!
  Im Moment ist alles Improvisation und Planung - aber davon später mal.

Und nur, damit man sich eine Vorstellung machen kann, wie die Aussicht am 28. Dezember 2007 Nachmittags war:

Ritg_w_pilatus2_2

Links käme die Rigi - geradeaus liegt der Pilatus ...

Und übrigens, unseren Kaffee konnten wir am vergangenen Sonntag vor dem Haus geniessen, im T-Shirt und eigentlich hätten wir Sonnencrème benutzen sollen!

Donnerstag, 20. September 07

Von Zaubergärten und verschwundenen Radfahrern

Der Herbst lässt unweigerlich Einiges in anderem, besserem Licht erscheinen.

Ein Altweibersommer lässt nochmals schöne Dinge Revue passieren, weckt also Erinnerungen, die, aufgrund der verstrichenen Tage, Wochen oder Jahre vielleicht etwas geschönt sind. Trotzdem, in diesem Falle lassen wir uns gerne erneut verführen.

So erging es uns mit dem Parco Scherrer in Morcote. Vor beinahe zwanzig Jahren war ich mit meiner Grossmutter in diesem Zaubergarten und immer wieder faszinierten mich die Erinnerungen daran. Vor etwa 10 Jahren war ich einer Geschäftreise wegen im Juli in Morcote und wollte ganz alleine diesen Park besuchen, wurde aber abgeschreckt durch übervolle Reisecars, kurzbehoste Amerikanerinnen und gamsbartbewehrte Filzhutträger, fotogeile Japaner und übelgelaunte Schweizerpaare – kurzum, ich liess erschreckt von meinem Vorhaben ab.

René kannte den Parco Scherrer nicht und da inzwischen die Nachsaison begonnen hat, beschlossen wir, ganz gemütlich Richtung Morcote aufzubrechen.

Gegen Mittag konnten wir auf einem kleinen Parkplatz sogar eine Parklücke ausmachen und erstanden anschliessend zwei Eintritte für den stolzen Preis von je Fr. 9.-. Alles im grünen Bereich, denn wir wollen ja einen aufwändig zu erhaltenden Park besichtigen…

 

Arthur Scherrer, ein Tuchfabrikant und –händler hat sich hier ein Traum verwirklicht: Aus einem mit Unkraut und Kastanienbäumen überwachsenen steilen Grundstück am See zauberte er unermüdlich ein kleines Paradies, bis zu seinem Tode 1956.

Ein wunderschöner Spaziergang durch exotische Pflanzen, die hier im fast subtropischen Klima prima gedeihen. Realisierte Träume von griechischen Tempeln, siamesischen Teehäusern in Bambushainen, arabischen Häusern, römischen Terrassen bis hinunter zum indischen Palast. Auch wenn sich nun mancher fragt, ob das nicht an Kitsch grenze – nein, tut es nicht, wenn ich weiss, dass Herr Scherrer dies in den Jahren 1930 – 56 geschaffen hat und sich sehr genau an originale Vorlagen gehalten hat. So beispielsweise der ägyptische Tempel mit der Nofretete, die originalgetreue Nachbildung von Berlin!

Auch René hat’s gepackt und wir geniessen unser Picknick auf einem der unzähligen Bänkchen, die es ebenfalls zu entdecken gibt. Die Ruhe geniessen wir einmal mehr und unser Blick schweift auf das gegenüberliegende Porto Ceresio. Sogar die Zöllner machen grad Siesta auf dem Boot.

Porto_ceresio_3 Die Aussicht vom griechischen Tempel Richtung Porto Ceresio

Teehaus2  Vor dem Siamesischen Teehaus

Es gibt viel zu entdecken:

Von der Libelle (ehrlich, ich habe nur ca 37 mal probiert, sie mit der Fotokamera einzufangen...)
über versteckte Quellen bis hin zur Glücksschildkröte:

Libelle2  Glcksschildkrte

 

Allein eines betrübt mich:

Obschon ich manchmal einen Hang zum Perfektionismus habe, finde ich, dass im Garten ein „Mut zur Lücke“ unbedingt hingehört. Allerdings stelle ich mir hier die Frage, ob die Gemeinde Morcote nicht etwas sehr lasch mit dem nun doch eintreffenden Geldsegen umgeht. Eine liebende Hand, ein geübtes Auge und viele Dinge wirkten nicht ganz so vernachlässigt wie jetzt. Vielleicht ist mir das vor zwanzig Jahren nicht aufgefallen, aber einiges ist doch offensichtlich…

Genug der trüben Gedanken – auf zum wohlverdienten Kaffee!

 

Als ich vor eben 10 Jahren hier weilte, lud uns der Gemeindepräsident zu einem Nachtessen im Grotto der Alpe Vicania über Vico Morcote ein.

Damals gehörte das Grotto Giovanni Albisetti, der die Alpe nach einer sehr erfolgreichen Radrennfahrerkarriere Mitte der 70-er zu einem Alpgasthof umfunktionierte. Coniglio mit Polenta, Tagliatelle allo Zafferano oder je nach Saison gefüllte Tortelloni, und und und – für alles war Giovanni selber zuständig. Die Gaststube wirkte vielleicht auf den ersten Blick etwas kitschig, aber trotzdem störten die Maiskolben, der Kupferkessel und die karierten Tischdecken nicht, frau fühlte sich einfach wohl und das Essen stimmte. Das Grotto ist zu Fuss in ca 30 Min. ab Vico Morcote erreichbar und auch für mutige Autofahrer gibt es einen kurvenreichen Weg nach oben.

René und ich geniessen es, auf diese Waldlichtung zu kommen, erklimmen die letzten Meter zum Grotto und – ich staune:
Sehr edel, trotzdem rustikal, sehr gepflegt und ziemlich modern – das Grotto wurde renoviert und ist ein Ristorante geworden.
Giovanni ist verschwunden! Und niemand kann uns verraten, was aus ihm und seiner Frau geworden ist.

Alpe_vicania

Eine sympatische Crew jedoch heisst uns herzlich willkommen und wir geniessen eine perfekte "Torta d'albicocche" zum Kaffee.

Der Blick ins Innere des Grottos bestätigt den äusseren Eindruck - und die Stimmen rundherum bestätigen auch, dass hier nach wie vor beste Küche geboten wird. Alle schauen auch auf die Details und inzwischen ist die Alpe sogar für Hochzeitsfeiern und gediegene Geschäftsessen ein beliebtes Ziel.

Wir kommen bestimmt wieder, um die vielversprechenden Gerichte auf der Karte auszuprobieren und in der Hoffnung, Giovannis Geist bleibt hier oben erhalten.

Ristorante Alpe Vicania
6911 Vico Morcote
091 980 24 14

 

PS. Übrigens lässt die Weinkarte keine Wünsche offen - auch Tessiner Geheimtipps sind dabei!

Dienstag, 18. September 07

Zu spät... zu früh!

Ein wunderbarer Altweibersommertag, dessen Sonne uns weckt: Sie kitzelt leicht drängend ganz fein über mein Gesicht.

An diesem Mittwoch frühstücken wir ganz gemütlich mit unseren Freunden und beschliessen, nach eingehendem Studium der Karte, ins Maggiatal vorzudringen und dann Bosco Gurin zu besuchen.

Die Geschichte der Walser hat mich schon früh fasziniert und ich war vor über 30 Jahren das letzte Mal in Bosco Gurin. Leider habe ich überhaupt keine Erinnerung mehr daran. Diese Lücke muss geschlossen werden. Zumal es in Bosco Gurin zwar kein erwähnenswertes Restaurant gibt, aber ein Pro Spezie rara – Gemüsegarten beim Dorfmuseum.

Einmal mehr staune ich, als wir nach Ponte Brolla ins Maggiatal vordringen – weit und grosszügig das Maggia-Flussbett und ich stelle mir vor, wie viele Leute im Hochsommer die Sonne und das Wasser geniessen….

Über 9 steile Haarnadelkurven und durch goldgrün leuchtende Kastanienwälder dringen wir Richtung das Valle di Bosco

Am Eingang des Tales verrät uns ein Schild, wer hier auf den Strassen das Sagen hat….

                                       
 

  Schilderentdeckung1a

Die frische Luft ist merklich kühler, als wir aus dem Auto steigen, um das Dorf zu „erobern“ – die Sonne aber spielt mit und sofort sind wir der Überzeugung, dass man einen Rundgang durch das Dorf nur abschliessen kann, wenn man am Schluss eine heisse Schokolade oder eine Latte Macchiato auf einer Sonnenterrasse geniessen wird. Aber zuerst geniessen wir mal den Rundgang durch das Dorf:

Kartoffeltrocknen

Hier ist noch genügend Platz für das Trocknen der Kartoffeln.

Museum

Das Dorfmuseum ist wirklich ein Besuch wert! Wir kommen mit der „Museumshüterin“ ins Gespräch und erfahren einiges über die aktuelle Lage der Bevölkerung, die Gebräuche etc. Ich erkundige mich nach den kulinarischen Spezialitäten und leider, leider sind wir ZU SPÄT!

Normalerweise ist dies das Wochenende/die Woche in der die "Måtzufåmm", die Guriner Gemüsesuppe hoch gefeiert wird – aber ausgerechnet heuer wurde der Termin um eine Woche vor verschoben, weil ein Walser-Treffen ansteht. Tja, da kann man nichts machen - ausser den Gemüsegarten bewundern:

Essbare_klette    Mangold

Alles Gemüse und Kräuter, die hier auf 1500 m ü.M. noch gedeihen und mittels derer die Guriner doch noch über die harten Winter kamen (beeindruckt hat mich der Umstand, dass früher nur 4 Mal im Jahr Brot gebacken wurde…). Roggen und Gerste wiegen sich trutzig im Wind und goldener und roter Mangold wetteifern mit Kräutern und wunderschön blühendem Schlafmohn um den ersten Rang punkto Farbe.

Leider öffnet die Bäckerei heute (ausnahmsweise) erst viel später als sonst und so müssen wir unverrichteter Dinge Richtung Sonnenterrasse ziehen. Die Osteria delle Alpi bietet sich an...

Der lauwarme Apfelkuchen ist wirklich ein Gedicht: Geraspelte Äpfel auf einem feinen Biskuitteig, das Ganze ca 8 cm hoch und natürlich mit besonders figurfreundlichem Schlagrahm versehen… Aber mit Sonne im Gesicht versinkt das schlechte Gewissen gleich im Latte Macchiato.

Auf der Rückreise wollen wir einen Zwischenhalt bei der Macelleria der Gebrüder Boris und Franco Zanoli in Gordevio einschalten, um eine Cicitt zu kaufen.

Pietro Zanoli - „Ja ja, der sei verwandt“ grinst der einer der Brüder - hat selber über hundert Ziegen; geht im Sommer mit den Tieren auf die Alp, macht Ziegenkäse und im Herbst Ziegenwurst. Der Herbst hat angefangen und so hoffen wir, von eben dieser Ziegenwurst ein Exemplar ergattern zu können. Die „Urchuchi Tessin und Misox“ beschreibt diese Wurst mit folgenden Worten:

„Eine Stinkwurst nenne sie die einen – für andere ist es schlicht die beste Bratwurst der Welt. Gemeint ist die Cicitt, eine Ziegenwurst, die es nur im Maggia- und im Verzascatal gibt, eine echte Rarität im kulinarischen Erbe des Tessins.“

Leider, leider seien wir ZU FRÜH dran, verrät uns Herr Zanoli. Die Wurst gibt es erst ab Mitte Oktober und nur bis Mitte, Ende November. Wir erkundigen uns nach anderen Ziegenspezialitäten…. Leider, leider… etwas zu früh, aaaaber natürlich einen feinen Alpziegenkäse von Pietro Zanoli. Wir lassen uns überzeugen und fragen dann noch nach den anderen Spezialitäten des Hauses: „Ja natürlich, Pferdetrockenfleisch, diverse Salami und eine hausgemachte Mortadella“ und stolz zeigt er auf die kleine, aber feine Auslage. Wir entscheiden uns für die Mortadella und bereuen es keinen Augenblick.

Mortadella_maggia1_2

Die feine, adelige, hauchdünne norditalienische Mortadella ist kein Vergleich – ja sozusagen etwas total Anderes. Diese urchige gekochte Riesenwurst hier ist umwerfend – kräftig im Geschmack und natürlich nicht wirklich leicht, aber dafür ideal zum Valle Maggia Brot oder zum Kastanienbrot, also  etwas für’s Picknick. Dass das Fleisch in einem Lorbeersud gekocht wurde lässt sich noch erschmecken und auch sonst ist diese Spezialität nicht gerade etwas für superfeine, empfindliche Näschen.

Dasselbe gilt für den kleinen Geschmacksprotz "Ziegenkäse"....


Maccelleria Valmaggese
Boris und Franco Zanoli
6672 Gordevio
091 753 10 47

Nachtrag:
Bis Mitte Oktober habe ich noch kein Rezept für die "Måtzufåmm" gefunden! Ist vielleicht in der Bloggerwelt ein Mensch mit Rezept?

Sonntag, 16. September 07

Endlich Ferien!

Wir haben es geschafft und sind endlich für 8 Tage weg vom Fenster:

Adieu Putzfrauen und Wellrohre - Ticino, siamo pronti per tutto!

Petra und Helmut haben uns grosszügigerweise ermöglicht, ihr wunderschönes Ferienhaus in Ascona benutzen zu dürfen. Und wir geniessen es in vollen Zügen.
Erst mal werden Uhren und Wecker in die Verbannung geschickt und dann wird erst mal viel geschlafen.

Nach nur einem Tag Regen fängt eine wunderschöne Altweibersommer-Woche an und uns geht es einfach grandios. Nun werden wir also viel zu berichten haben von kulinarischen Entdeckungen (Tipps sind vorhanden), Einkäufen und Exkursionen...

Aber vorerst geniessen wir wunderschöne Morgen und einmalige Abende:

Morgendmmerung  Abenddmmerung

Montag, 10. September 07

Pfirsichtorte "Ma Façon"

Wir lieben Pfirsiche!

Ganz besonders angetan bin ich von den weissen Köstlichkeiten - nur leider machen die örtlichen Früchteangebote und manchmal einfach der Geldbeutel nicht immer mit...
Kürzlich erhielt ich einen Korb mit einer feinen Überraschung - rotgoldene Pfirsiche, vollreif und ganz fein duftend. Unmöglich zu widerstehen! Was gibt es Schöneres, als in einen reifen Pfirsich zu beissen, seine Hauerchen in durch das Samthäutchen in das Fruchtfleisch zu drücken und mit der Zunge den paradiesisch süss-säuerlichen Saft aufzufangen, der über die Lippen quillt. Unmöglich, einen Pfirsich anständig zu essen (ausser mit Messer und Gabel); aber den leckeren Saft vom Kinn zu wischen und  ein Stück Sonne und Sommer zu geniessen, das ist es allemal wert!

Damit dann aber die letzten Pfirsiche nicht "schlecht" werden, habe ich mich entschlossen, eine Pfirsichtorte zu improvisieren - voilà, das Prachtstück:

Pfirsich9

Pfirsich1

Ausgangslage: 7 gehäutete Pfirsiche in feine Schnitze schneiden
      
Pfirsich2_1

Der erste Bisquitboden mit Pfirsichsaft/Likörgemisch beträufeln, mit der richtigen Crème bestreichen und mit einer ersten Lage Pfirsichscheiben decken.

Pfirsich5

Dann den zweiten Boden darauflegen, ebenfalls beträufeln und dann mit der Crème grosszügig überziehen. (Die Knolle war der Rest aus der Schüssel - und da mein Göttergatte nicht zugegen war, gab es keinen, der die Schüssel ...)

Alles mit gerösteten Kokosflocken bedecken und dann mit den restlichen Pfirsichscheiben dekorieren. Diese noch ganz fein mit Pfirsich- oder Aprikosengelée überziehen.

Pfirsichfertig    Ab in den Kühler!

Und hier natürlich noch das Rezept: